Feldanthropologie und in-situ-Befundung

Anthropologie bedeutet, aus dem Griechischen übersetzt, ‚Die Lehre vom Menschen‘. In Zusammenhang mit der Archäologie ist hier die Lehre menschlicher Überreste gemeint.

Wir als Firma beschäftigen uns in der Feldanthropologie mit dem wissenschaftlichen und pietätvollen Umgang und der Aufarbeitung alter Bestattungen, Gräber oder Friedhöfe.

Das Auftreten von Menschenknochen stellt eine besondere Herausforderung im Rahmen eines Bauprojektes dar. Während sie auf der einen Seite häufig von wissenschaftlicher Bedeutung sind, spielen auf der anderen Seite Aspekte der Pietät eine Rolle. Für Archäologen und Anthropologen sind sie ein wahrer Quell an Informationen – bei Bauherren hingegen gefürchtet, da sie hohe Kosten verursachen können und für den Laien oft nicht ersichtlich ist, welche Maßnahmen notwendig sind und welche nicht.  Hier ist eine gute Betreuung durch Landesdenkmalämter, untere Denkmalschutzbehörden und archäologische bzw. anthropologische Fachfirmen gefragt.

Wie in allen Bereichen der Archäologie gilt auch bei Skeletten, dass eine Reihe von Informationen verloren geht, sobald das Skelett aus seinem Fundkontext entnommen und geborgen wird. Es ist also unbedingt notwendig, diese Informationen zu sichern. Hierzu gehören nicht nur allgemeine Daten wie Körperhaltung oder Grabkonstruktion, sondern auch bestimmte Maße der Liegeposition, die sich später nicht mehr rekonstruieren lassen.

Viele Details am Skelett selbst kann ein Anthropologe im Labor an den gewaschenen Knochen deutlich besser bestimmten als sein Kollege draußen im Feld. Die Fundlage und schlicht die Tatsache, dass die Knochen noch nicht gereinigt wurden, erschweren z.B. die Beurteilung von Schädelnähten oder Wirbelstatus. Andere Details hingegen kann nur der Ausgräber durch sorgfältiges Arbeiten sichern. Dazu gehören nicht nur winzige Knochen wie z.B. die Knochen des Innenohrs oder unverwachsene Epiphysen, sondern auch Anzeichen für Erkrankungen (z.B. Gallen- oder Nierensteine), Verletzungen (z.B. gebrochenes Zungenbein), Hinweise auf Parasiten (die zu einer Probenentnahme führen) oder anatomische Auffälligkeiten (z.B. Sesambeine). Auch die Bergung des Schädels sollte durch Fachpersonal erfolgen, damit die Möglichkeit von späteren aDNA-Analysen nicht beeinträchtigt wird.

Das Maximum an Informationen lässt sich gewinnen, wenn Feld- und Laboranthropologie zusammenarbeiten und miteinander in Austausch treten. In der Realität lässt sich das jedoch oft nicht bewältigen, da die Knochen manchmal jahrelang in Depots liegen, ehe sie wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Umso wichtiger ist es, dass die Feldanthropologie sorgfältige und gut dokumentierte Arbeit leistet. Denn erstens sind diese Daten bis auf weiteres die einzigen, die zur Verfügung stehen. Und zweitens muss die auf dem Feld erstellte Dokumentation so gestaltet sein, dass auch in 5, 10 oder 15 Jahren jemand damit arbeiten kann, der selbst nie vor Ort war – ohne dass Informationen verloren gehen.

Bauträger bei Ausgrabungen im Bereich ehemaliger Friedhöfe sind lagebedingt häufig Kirchengemeinden. An sie wird durch Anwohner und Gemeindemitglieder ein besonders hoher Anspruch an einen pietätvollen Umgang mit den Überresten Verstorbener gestellt. Gerade bei neuzeitlichen Bestattungen kommt zudem häufig ein besonderes Interesse der Anwohner hinzu, die die berechtigte Frage stellen, warum ihre Vorfahren einem Bauprojekt weichen müssen und deren Totenruhe deshalb gestört wird. Diplomatie und Fingerspitzengefühl sowie eine gute Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten können auch hier einen reibungslosen Ablauf ermöglichen.

Wir bieten das gesamte Leistungsspektrum der Feldanthropologie in Absprache mit den zuständigen Behörden und betreuen gerne ihr Bauprojekt in oder bei einem Friedhofsareal. Ebenso bieten wir unterstützende Beratung an, wenn Sie vor der Frage stehen, ob Sie in einem solchen Areal bauen oder eine Umplanung besser wäre. Gerne bieten wir Ihren Gemeindemitgliedern auf Wunsch Einblick in unsere Arbeit und garantieren ihnen einen respektvollen Umgang mit den Knochen Verstorbener.

Wir favorisieren einen offenen Umgang mit dem Thema Tod. Denn letztlich ist es, wie in einigen Beinhäusern zu lesen: wir sind, was sie waren, und werden, was sie sind.

Fragen oder Interesse an unserer Arbeit? Nehmen Sie doch einfach Kontakt zu uns auf: