Fund vs. Befund

Die Begriffe Fund und Befund gehören zum archäologischen Grundvokabular. Während der Fundbegriff bei Nicht-Archäologen mehr oder weniger korrekte Vorstellungen hervorrufen dürfte, bedarf der Begriff Befund im archäologischen Kontext wahrscheinlich einer Erklärung. Wobei es aufgrund der Verschiedenartigkeit möglicher Befunde, schwierig ist, eine allgemeingültige Definition zu formulieren. Deshalb sei dies hier anhand einiger praktischer Beispiele erläutert.

Beispiel 1

Mittelalterliches Bruchsteinmauerfundament mit – als Erdverfärbung erkennbarem – ehemaligem Fundamentgraben. In der Verfüllung des Fundamentgrabens können sich Funde befinden, z.B. Keramikscherben, Tierknochen oder Metallgegenstände.

Beispiel 2

Merowingerzeitliches Grab. Die Grabgrube zeichnet sich als Erdverfärbung im gewachsenen Boden ab. Ehemals vorhandene hölzerne Einbauten können ebenfalls noch als Verfärbung erkennbar sein. Die Toten bestattete man unverbrannt, in Rückenlage mit Beigaben.
Die Lage des Skeletts im Grab, die Lage der Knochen zueinander, die Grabbeigaben und ihre räumliche Relation untereinander und zum Bestatteten, die Größe, Ausrichtung und Form der Grabkammer, sowie Spuren von Einbauten (soweit erkennbar) sind Teil des Befunds. Gleichzeitig handelt es sich bei den Grabbeigaben um Funde

Beispiel 3

Hallstattzeitliches Pfostenloch / Vierpfostenspeicher. In weiten Teilen der Vorgeschichte war die Pfostenbauweise eine gebräuchliche architektonische Technik. Dabei grub man annähernd zylindrische Löcher, in die anschließend hölzerne Pfosten eingelassen wurden und dann als tragende Elemente eines Gebäudes dienten. Diese Pfostenlöcher zeichnen sich heute in der Aufsicht als runde Verfärbung im gewachsenen Boden ab. Die Verfärbung rührt vom humoserem Material her, dass beim Wiederverfüllen mit ins Loch gelangte bzw. vom vergangenen Holz des Pfostens. Schneidet man diesen Befund erhält man die Ansicht im Profil. Hier ist die Verfärbung in der Regel rechteckig und besitzt entweder eine gerade oder eine konvexe Sohle. Der ehemalige Bodeneingriff muss also annähernd zylindrisch gewesen sein. Die Verfüllung kann Funde beinhalten, z.B. kleine Keramikscherben oder Tierknochen. Oft tut sie dies nicht. Das alles mach den Befund Pfostenloch aus.  Vier beieinanderliegende Pfostenlocher, die die Eckpunkte eines Quadrates mit wenigen Metern Seitenlänge ausmachen, werden in vorgeschichtlichen Kontexten üblicherweise als Überreste eines sogenannten Vierpfostenspeichers angesprochen. Dabei handelt es sich um ein gestelztes Vorratsgebäude, das für Nagetiere etc. schlecht erreichbar war. Die vier beieinanderliegenden Pfosten sind ebenfalls ein Befund – eben ein Vierpfostenspeicher.

Befunde, Planum

Befunde (Pfostengruben) im Planum

Befund, Profil

Befund (Kegelstumpfgrube) im Profil

Funde

Funde (Keramik) „in situ“, also in Fundlage